Spielregeln
Wenn Menschen wie im Rausch hinter einer schwimmenden gelben Kugel hinterher hechten, es spritzt und platscht, wenn Leute sich wirre Dinge um die Ohren brüllen, es schäumt und kocht, wenn Zuschauer nervös rumhüpfen, vor Begeisterung sich völlig vergessen und nichtsahnende Passanten gar kopfschüttelnd von vorsätzlicher Körperverletzung sprechen, tja, dann befinden wir uns in einem Schwimmbad und es läuft gerade ein Wasserballspiel.
Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Regeln dieser Sportart. Sie sind für Menschen aufgeschrieben, die Wasserball wenig, nicht oder noch nicht kennen. Weil ein normales Regelheft (Experten sprechen von der "W.B." = Wettkampfbestimmung) viel zu trocken ist, gibt es hier etwas flockigere Prosa.
Echte Profis klicken sich schnell zur FINA durch und finden dort die offizielle und stets aktuelle Regelversion.
Link zu den offiziellen Spielregeln der FINA (Weltschwimmverband - engl.)
Das offizielle Regelwerk beim Deutschen Schwimmverband
Die Spielregeln der Hamburger Mini-Liga (Wasserball für Kinder)
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Die wilde Dreizehn
Wasserball wird in Schwimmbecken oder anderen Gewässern gespielt, die mindestens 1,80 Meter tief sind. Das Originalspielfeld ist 20m · 30m groß, bei den Frauen 5m kürzer. In vielen Fällen wird aber davon abgewichen, weil die Becken in Schwimmhallen oft kleiner sind. Kinder und Masters, das sind ältere Spieler, spielen ohnehin auf kleineren Feldern.
An den Querseiten eines Beckens befinden sich drei Meter breite und 90cm hohe Tore, die im Wasser schwimmen. An den Längsseiten sind einige Linien mit bunten Fähnchen, Kacheln, Hütchen oder umgedrehten Mülleimern abgesteckt, die man sich quer über das Becken vorstellen muss. Eine Linie ist in der Mitte des Feldes und zwei jeweils zwei Meter und fünf Meter von jedem Tor entfernt.
Das Spielfeld der Zukunft.
Das Spielfeld.
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Was die Linien für das Wasserballspiel bedeuten, folgt später.
Jede Mannschaft hat dreizehn Spieler oder Spielerinnen. Sechs davon schwimmen im Feld und eine(r) im Tor. Die restlichen sechs sitzen am Beckenrand und warten auf ihre Einwechslung.
Die Mannschaften werden durch die Kappen unterschieden, die die Spieler auf dem Kopf tragen. Jede Mannschaft hat eine eigene Kappenfarbe. Die Kappen tragen die Nummern 2 bis 13. Die Torwarte tragen immer rote Kappen mit der Nummer 1. Die 13 ist Ersatztorwart.
Männer und Frauen in weiß
Jetzt kann es eigentlich losgehen, es fehlen nur noch die beiden Schiedsrichter, die an der Längsseite am Beckenrand hin- und herlaufen und das Spiel genau beobachten.
Die Schiris sind stets weiß oder anders, aber einheitlich gekleidet. In vielen Spielen der unteren Ligen genügt auch ein Schiri.
Der Schiedsrichter ist der Chef und alle seine Anweisungen müssen befolgt werden. Wenn
der Schiri pfeift, wird das Spiel kurz unterbrochen. Er zeigt mit einem Handzeichen an, wie
das Spiel weitergeht. Dies dauert manchmal weniger als eine Sekunde.
Der Ball
Die gelbe Kugel wiegt etwa 450 Gramm und hat einen Umfang von 70cm und ist fast so groß wie ein Basketball. Die Bälle mit denen Kinder, Frauen und Masters spielen sind kleiner.

Bevor es jetzt endlich losgeht, kommt noch die Spieldauer: vier mal acht Minuten reiner Spielzeit dauert ein Wasserballspiel, das bedeutet, dass bei jeder Spielunterbrechung die Uhr angehalten wird. Dadurch dauert ein richtiges Spiel manchmal mehr als eine Stunde. Die erste und die dritte Viertelpause dauern zwei Minuten. Die mittlere Viertelpause, an der die Mannschaften die Seiten wechseln, dauert fünf Minuten.
Kinder spielen viel kürzere Zeiten, z.B. vier mal vier oder zwei mal acht Minuten.

Anpfiff!
Vor dem Anpfiff stellen sich beide Mannschaften neben ihren Toren an der Seite auf. Der Schiedsrichter senkt den Arm und pfeift. Dabei wirft er den Ball in die Beckenmitte. Die Spieler schwimmen wie verrückt auf den Ball zu, denn wer ihn hat, hat ihn. Das nennt man "anschwimmen".
Nun beginnt die wilde, aufregende und spritzige Jagd nach Bällen und Toren. Damit es flink und fair zugeht, gibt es festgelegte Regeln. Es geht darum Tor zu schießen, denn nur die zählen, ohne dabei Fehler zu begehen.
Einfache Fehler
Wenn ein Spieler einen einfachen Fehler macht, pfeift der Schiedsrichter und zeigt den Fehler mit Handzeichen an. Die andere Mannschaft bekommt an der Stelle an der der Fehler geschehen ist einen Freiwurf.
Einfache Fehler sind
• das Berühren des Balles mit beiden Händen (außer durch die Torwarte),
• das Drücken des Balles unter Wasser,

• einen Spieler anzugreifen, der den Ball nicht führt,
• den Ball aus dem Spielfeld werfen,
• zwei Meter vor das gegnerische Tor schwimmen, ohne den Ball zu führen,
• absichtliches Spritzen,
• nach 30 Sekunden keinen Torwurf ausführen. Diese Regel "Angriffszeit" oder auch "Zeitvergeudung" gilt nur in den oberen Spielklassen.
Einfache Fehler kommen ziemlich häufig vor und werden auch gerne mal provoziert, indem man beispielsweise zu zweit um den Ball kämpft bis man eine Situation herausfordert, die einen einfachen Fehler für den Gegner darstellt. Dann bekommt man einen Freiwurf, den man sofort ausführen darf, nur nicht direkt auf das Tor. Das darf man nur, wenn man weiter als fünf Meter vom Tor entfernt liegt.
Das Spiel um die einfachen Fehler ist und die vielen Pfiffe der Schiris sind ein Grundelement des Wasserballspiels.
Persönliche Fehler

Persönliche Fehler werden damit bestraft, dass der Spieler der den Fehler begangen hat, zwanzig Sekunden nicht mehr am Spiel teilnehmen darf und bis zum Ablauf dieser Zeit in der Ecke außerhalb des Spielfeldes bleiben muss. Die eigene Mannschaft hat dann einen Feldspieler weniger und die Gefahr ist groß, jetzt ein Tor zu kassieren.

Persönliche Fehler sind
• dauernd einfache Fehler zu begehen,
• einen einfachen Fehler schwer oder mit zu Vorsatz begehen,
• im Fünf-Meter-Raum mit zwei gehobenen Händen zu blockieren,
• vor dem Tor beim Angriff im Center zu tauchen,
• einen Spieler, der den Ball nicht hält, festzuhalten oder zu versenken,
• einen Spieler daran zu hindern, einen Frei- oder Eckwurf auszuführen,
• einen Spieler daran zu hindern, einen Konterangriff zu beginnen oder.
• einen Spieler daran zu hindern, einen Torwurf auszuführen.

Im letzten Fall gibt der Schiedsrichter der gegnerischen Mannschaft einen Strafwurf. Dieser wird von einem Spieler aus fünf Metern Entfernung direkt aufs Tor ausgeführt.
In einem Spiel darf ein Spieler nur drei persönliche Fehler begehen. Nach dem Dritten darf er nicht mehr mitspielen und ein anderer Spieler kommt für ihn ins Wasser. Auch Strafwurffehler sind persönliche Fehler.
Für den Torwart ist außerdem das Drücken des Balles unter Wasser und das Festhalten am Tor ein Strafwurffehler.

Ausschlussfehler
Ausschlussfehler führen dazu, dass ein Spieler gar nicht mehr mitspielen darf und ohne Kappe auf der Zuschauerbank sitzen muss.
Ausgeschlossen wird ein Spieler,
• der drei persönliche Fehler begangen hat
• oder beim Einwechseln mit einem anderen Spieler das Spiel behindert.
In diesen Fällen darf ein Ersatzspieler der Mannschaft ins Wasser.
Erstmal kein Ersatzspieler darf ins Wasser, wenn
• ein Spieler wegen brutalem Spiel
• oder wegen Beleidigungen, wüsten Flüchen oder unsportlichem Verhalten das Becken verlassen muss.
Erst vier Minuten später darf die Mannschaft einen Ersatzspieler ins Wasser schicken.
Eine hohe Strafe vor allem für den Rest der Mannschaft, die in den vier Minuten ein großes Risiko hat, mehrere Tore zu kassieren.
Die Ausschlussfehler mit Ersatzspieler (die so genannte "Rolle") und für vier Minuten (das "Kreuz") haben für die ausgeschlossenen Spieler folgen. Die Schiedsrichter schreiben einen Bericht und je nach Lage des Falles wird der Spieler für mindestens ein Spiel gesperrt.
Die Schiedsrichter haben eine ganze Menge Handzeichen, die sich oft von selber erklären. Gerade für Spiele im Ausland lohnt es sich, diese Zeichen zu kennen - denn Sprache hilft da vielleicht nicht weiter.
Link zu den Schiedsrichterzeichen bei der FINA (Weltschwimmverband)
Noch was...
Wenn der Torwart der eigenen Mannschaft den Ball bei einem Schuss der Gegner berührt hat, bekommt die gegnerische Mannschaft einen Eckwurf, der nicht aus der Ecke, sondern von der Zweimeterlinie am Spielfeldrand ausgeführt wird. Bei allen anderen Würfen über die eigene Auslinie hinaus, bekommt die eigene Mannschaft einen Torabwurf. Ausnahme: Ein Verteidiger wirft den Ball absichtlich ins Aus.
Wenn der Ball an die Schwimmhallendecke fliegt oder wenn beide Mannschaften gleichzeitig einen Freiwurf bekommen oder wenn eine völlig chaotische Situation herrscht, dann kann der Schiri einen "Schiedsrichterball" geben. Dabei stellen sich zwei Spieler aus beiden Mannschaften zwei Meter vorm Beckenrand auf und der Schiri wirft den Ball in die Mitte vor die beiden. Und wer den Ball hat, hat ihn.
Jede Mannschaft darf so oft sie will ihre Leute durch Ersatzspieler austauschen. Dazu muss ein Spieler aber erst in die Ecke neben dem eigenen Tor geschwommen sein, bis der neue Spieler ins Spielfeld darf.
Beide Mannschaften - oder genauer - die Trainer, haben in jedem Viertel einmal die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen. Die Spieler können sich dann eine Minute lang mit ihrem Trainer beraten und neu Stellung auf dem Spielfeld beziehen. Die Spielzeit läuft während der Auszeit natürlich nicht weiter.
Die Trainer dürfen während eines Spieles bis zur Fünf-Meter-Linie coachen. Extra für die Trainer haben die Schiris zwei Karten in der Hosentasche. Benimmt sich ein Trainer daneben, kann er mit der gelben Karte verwarnt werden oder mit der roten Karte für den Rest des Spiels aus dem Schwimmbad verbannt werden.
Betreuer dürfen nur auf der Reservebank sitzen und nicht coachen.
Ein wenig Bürokratie
Zu einem richtigen Wasserballspiel gehört neben Toren, Ball und Becken auch eine Zeitmessanlage. Zwei oder vier große Uhren am Beckenrand zeigen den Spielern an, wie viele Sekunden sie noch haben um aufs Tor zu werfen, denn sie haben dazu ja nur 30 Sekunden Zeit.
Eine weitere Anzeigetafel zeigt die sekundengenaue Spielzeit und den Spielstand an.
Außerdem sitzen am Beckenrand noch Helfer, die auf einem Protokoll genau aufschreiben, wie das Spiel verläuft: Wer hat wann das wievielte Tor geschossen? Wer ist wann und wie oft rausgeflogen ist? Wie steht es eigentlich?
Neben den Protokollführern sitzen Zeitnehmer, die die genaue Spielzeit, die Ausschlusszeiten (20 Sekunden und vier Minuten) und die 30-Sekunden-Regel stoppen.
Für diese Feinheiten (Spielfeld, Protokoll usw.) ist immer der im Spielplan erstgenannte Verein, der Heimverein, zuständig. Der Gastverein darf, wenn er denn möchte, eine Position am Protokolltisch besetzen.