Der Wurstblinker
Begeben wir uns einmal in die Niederungen unserer Sportart. Niederungen in den es um schriftlich verfasste, in Stein gemeißelte Richtlinien und Bestimmungen geht. In denen es nur zwei Farben gibt: Schwarz und weiß. Kein Grau. In das Land der kleinen Karos. Es geht um Geld - viel Geld. Und um Prestige. Und es geht fast gar nicht um das, was wir eigentlich ganz gerne tun. Wasserball spielen.
Der HTB62 hat es geschafft, in den letzten Wochen mehrere Male mit diesen Niederungen schmerzhafte Bekanntschaft zu machen.
Der ganze Zauber nimmt seinen Lauf zum Jahresbeginn. Kaum von der Silvesterfeier erholt, rücken die Lizenzen ins Bewusstsein. Haben wir neue Spieler? Für wen lohnt es sich, 35 Euros Gebühr zu bezahlen? Teuer, wenn Hänschen nur zu einem Spiel kommt und dann gar nicht mehr, weil er doch lieber Minigolf spielt...
Wo wir schon dabei sind, dann können wir gleich die Spielerpässe bestellen - und das kostet. 15 Euro werden pro Wasserballer fällig: Wer wird in diesem Jahr mitspielen? Ärgerlich, wenn Brigitte danach nicht mehr kommt weil sie lieber tanzen lernt. Dann ist das viele Geld umsonst geflossen. Und kommt nie mehr zurück.
Wenn alle Pässe bestellt sind, muss der Mannschaftsarzt in die Halle kommen und allen sagen, dass sie gesund genug für Wasserball sind. Erst jetzt dürfen wir an Wasserball überhaupt denken.

Geschafft, wir spielen in einer Liga mit. Aber der Spaß verpflichtet: Wer dabei sein will, muss zahlen. Der Preis ist erstmal moderat, aber wehe, wenn eine Mannschaft einen verhängnisvollen Fehler macht, wie z.B.: Kappen vergisst, nicht vollständig antritt, beim Protokoll schludert. Und vergesst ja nicht die persönlichen ID-Nummern. Das kostet!

Spielpläne sind heilige Schriften. Absagen gilt nicht. Wenn eine Mannschaft nicht kann, gilt das elfte Gebot: Pech gehabt - Ihr habt verloren. Und wenn Ihr nicht kommt: Her mit der Kohle.

Am 17. Januar ging auf dem Jugendspieltag im Dulsbergbad so ziemlich alles schief.

Hintergrund war, dass der HTB62 darum gebeten hatte, keine Spiele in den Vormittagsstunden anzusetzen, weil eine wichtige Versammlung im Verein anstand.

Postwendend kam der Spielplan mit drei Spielen zu genau diesem Termin. Schnell waren inoffizielle Ersatztermine mit befreundeten Vereinen vereinbart, davon eins sogar auswärts in Rostock, so dass dieser Verein die Kosten für die Anreise sparen konnte.

Fast alle Spiele sind an diesem Tag aus ähnlichen Gründen ausgefallen. Die Kieler kamen mit 25 Euros Strafe noch verhältnismäßig glimpflich davon. Für den HTB62 schlägt dies per Saldo mit 300 Euro zu Buche.

Es gibt klare Bestimmungen, wann und wie man sich zu Turnieren anzumelden hat. Meldet sich einer zu spät, muss er draußen bleiben. Auch wenn er sich nur ein paar Tage zu spät, aber immer noch Wochen vor Turnierbeginn meldet. Auch dort geht es nicht um sinnvolle Fragen, wie z.B. ob man mit einer zusätzlichen Mannschaft nicht vielleicht besser spielen könnte, nein, es gilt die Ansage von oben - und die gilt sowas von!
Es ist festzustellen, dass die Menschen, die sich solche Bestimmungen ausdenken, mit der Realität in den Schwimmbädern so viel zu tun haben, wie eine Kuh mit Kernphysik. Die Menschen, die diese Maßregeln jetzt durchknüppeln haben offenbar sehr lange kein Jugendspiel mehr gesehen.
An dieser Stelle kommt hiermit die folgerichtige Einladung an all diese Menschen zum nächsten Jugendspieltag.

Wozu führen diese Umstände?

Willste keinen Ärger, dann bleib doch zu Hause und spiel nicht mit. Sicher die beste Lösung. Dumm nur, dass Wasserball als Mannschaftssportart nur mit fitten Gegnern Spaß bringt.

Aber inzwischen denken die Vereine, die praktische Jugendarbeit betreiben, weiter. Es wird laut darüber nachgedacht, eigene Ligen ohne bürokratische Hürden in den Trainingsstunden der Vereine abzuhalten. Wenn alle sich einig sind, kann das in der Durchführung sehr entspannend wirken und enorm Geld sparen. Einige norddeutsche Landesverbände haben dies schon auf hohem Niveau gemeinsam praktiziert. Dumm nur, dass man sich so für keine Meisterschaft qualifizieren kann.

Oder laden wir unsere befreundeten Vereine zu Turnieren ein. Auch da lässt sich niveauvoll spielen und das Geld ist in die Badmiete allemal besser investiert, als in Lizenz- oder Strafgebühren.

Ist die Mannschaft auf einem tollen Turnier im Ausland eingeladen und gleichzeitig ein Spieltag in Hamburg?
In Hamburg gibt es keine Spielverlegungen und nicht antreten kostet Strafe. Ist doch klar, dass die Vereine sich untereinander absprechen und selber Ersatztermine finden.
Aber wehe, wenn einer quatscht.
Zur Kasse bitte.

Am 4. Februar meldete der Landestrainer Hamburg seine C-Jugendmannschaft wegen eines Auslandsaufenthaltes vier Tage zu spät zu einem wichtigen Sichtungsturner an, das Ende des Monats in Hannover stattfinden sollte.
Lange hörte man nichts von dort , buchte die Jugendherberge, überwies das Meldegeld in Höhe von 300 Euros. Bis dann der Spielplan im Internet veröffentlicht wurde - ohne Hamburg.

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"Tja, Ihr habt eben zu spät gemeidet und außerdem ist unser Spielplan jetzt schon fertig. Nächstes Jahr vielleicht."

Diese Posse ging hinauf bis zum Nationaltrainer der Herren Hagen Stamm. Kein Argument zählte bei der Turnierorganisation. Die Hamburger Mannschaft blieb Zaungast und durfte nicht mitspielen.

Um eines klarzustellen: Wir brauchen unsere Dachverbände und die brauchen irgendwo natürlich auch unser Geld. Und es spricht nichts gegen geregelte Abläufe, v.a. in hohen Ligen.

Es wäre gut, wenn die Verbände zu einer Finanzierung kommen, die näher an den Realitäten ist. Beispielsweise eine Gebühr pro Wasserball spielendem Mitglied erheben. Oder am Jahresende die gemeldeten Mannschaften zählen und daraus was machen.

Aber dass bei Jugendmannschaften abkassiert wird, wenn mal etwas schief läuft. Aber dass man auf Terminen besteht, als ginge es um Parkgebühren. Aber dass alles selbst bis zur letzten Spaßmannschaft in der untersten Kneipenliga einer Regulation bedarf. Ist das der Geist unserer Sportart? Oder einfach nur deutsch? Oder macht dies in Wirklichkeit unsere Sportart kaputt?

Regeln sind die Grundlage jeder Sportart und ohne Zweifel wichtig. Es gibt aber auch so etwas wie Augenmaß und Fingerspitzengefühl. Und es gibt auch nicht geschriebene sportliche Regeln. Und gegen die wurde und wird hier auf Kosten von unserem Nachwuchs durch übertriebene Pedanterie verstoßen. Denn in erster Linie muss es nur darum gehen, Kinder und Jugendliche auszubilden und für Wasserball zu begeistern.

Vielleicht wecken diese Zeilen erstmal offene Empörung bei zuständigen Stellen. Ich bin mir aber sicher, dass es unter Spielerinnen und Spielern, unter Trainerinnen und Trainern zu weitgehender Zustimmung kommt. Und bei vielen Offiziellen auch.

Unser Ziel im HTB62 ist es, gut Wasserball zu spielen und dabei Spaß zu haben. Mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Und wir werden auch weiterhin tapfer Mannschaften ins offizielle Rennen schicken.
Trotz allem.

Dies ist die Meinung von Philipp Kopf, der sich um Sachlichkeit bemühte.
Wer Werners Wurstblinker noch einmal sehen möchte, bei YouTube läuft er: Hier.
Pressemitteilung des Hamburger Schwimmverbandes (.pdf / 54 kB)