Wasserball von einem anderen Stern
Wie die Wasserfreunde Spandau 04 ihre Bundesliga-Heimspiele feiern.
Wir fluten die Color Line Arena!
Hier wird deutsche Wasserballgeschichte geschrieben: Bisher sind wir gewohnt in versifften Hallen oder muffeligen Tragluftblasen unsere Spiele zu tun. Die Handvoll Zuschauer setzen sich aus Klubkameraden, Freundinnen, Verwandschaft oder Badegästen zusammen. Ästhetische Höhepunkte mit Eventcharakter gibt´s höchstens Mal in der Sommersaison draußen. Wenn die Sonne scheint.
Wasserball in biblischer Qualität.Anders in Berlin. Seit der neuen DWL-Saison wird hier nicht mehr gekleckert. Zusammen mit dem Gastronom der "12 Apostel" und einer weiteren Sponsorenschar werden die Heimspiele zu einem Happening. Die 50er-Jahre-Atmosphäre der Spielstätte wird mit roter und goldener Glitzerfolie genial weggepeppt. Die Zuschauer erwartet eine sitzbare Tribüne oder wahlweise, natürlich mit Aufpreis, der VIP-Bereich am Beckenrand mit Fünf-Gänge-Menü des Hauptsponsors. Bereits lange vor Anpfiff ist bei netter Beleuchtung Live-Musik in der Halle, GoGoGirls betanzen den Sprungturm und die Gäste werden mit einem Begrüßungscocktail in Stimmung gebracht.
Etwa 1000 Menschen kommen in die Schöneberger Halle um Wasserball zu kucken. Zu feiern. Mit Rasseln, Trommeln und Lärm. Und das größte Lob an die Wasserfreunde aus Spandau ist: Unter den Zuschauer sind größtenteils Nicht-Wasserballer.
Da bleibt uns Hamburgern nur eins: Neidisch nach Berlin kucken und hinfahren oder die Color-Line-Arena fluten.
Glückwunsch an die Spandauer - so bringt Wasserball richtig Spaß.
Wasserfreunde Spandau 04
Beim Eintritt in den Wasserball-Dome gibt´s einen Cocktail in die Hand. Erste wichtige Gespräche im Dämmerlicht.
Einspielen im dezent illumienierten Ambiente, während die Ehrenloge den ersten Gang kredenzt bekommt.
Die große Show beginnt mit ganz viel Rauch.
Woodstock am Weiher: Die Band spielt Louis Armstrong und Geburtstagslieder.
Zwei hübsche Kandidatinnen ziehen die Blicke an. Olala.
Mannschaftsvorstellung wie bei DSDS mit viel Pomp. And the winner is...
Noch einen letzten Tusch.
So machen die Tabellenführer der ersten Liga ihren Gimmi.
Fehlt nur noch ein wenig Licht...
...und es könnte losgehen, denn wir sind ja eigentlich zum Wasserballkucken hergekommen.
Spandau gewinnt das erste Anschwimmen.
Wieder ein Tor von unseren Helden. Wow! Wahnsinn! Musik! Lärm!
Und das Volk tobt! (Okay, nicht auf diesem Bild, aber es tobte wirklich...)
Derweil ist die Upper Class beim Hauptgang angekommen. Übrigens: Es landete kein Ball auf einem Truthahn.
Auch die Würzburger dürfen mal versuchen, den Ball an Torwart Tschigir vorbei zu bekommen.
Nach dem Spiel ist "Players Party": Das Schwimmhallen-Foyer als Sündenpfuhl.
Unser Trainingspersonal beim Plausch mit Nationalspieler Thomas Schertwitis.
Wir fluten die Color Line Arena!

Hamburg 2014. Im Wasserball-Spitzenspiel um die Tabellenführung in der Bundesliga wird hoher Besuch aus Berlin erwartet. Hunderte begeisterte Zuschauer reißen sich um die Karten, denn das Spiel ist seit Wochen ausverkauft. Fete total ist angesagt, denn es geht hier nicht nur um das Spiel, sondern auch um das Happening drumrum.
Spinnerei? Vielleicht, aber...

Berlin 2004. Wieder einmal sind die Wasserfreunde Spandau 04 die Vorreiter im deutschen Spitzenwasserball. Sie schaffen es, eine attraktive Schwimmhalle mit Zuschauern zu füllen, eine richtig große Show zu bieten und dabei ganz nebenbei auch noch bestens Wasserball zu spielen.
Und das passiert, wenn man in Berlin zum Wasserball kucken geht: Man kommt in eine Schwimmhalle. Anstelle von Chlormief wird man von Partyluft empfangen. Kaum ist man über die Schwelle getreten, hat man einen Cocktail zur Begrüßung in der Hand. Mit feinem Stoff ist der Eingang eingelullt und eine Band verwandelt den Schauplatz in einen wirklich heimeligen Ort zum Aufhalten oder Feiern.
Weiter geht´s auf die Tribüne. Die anderen 999 Zuschauer sind schon eingetroffen. Seltsam - ein Wasserballspiel ansehen und nicht alle Zuschauer kennen und per Handschlag begrüßen...
Die Halle selbst ist in gold-rotes Tütü gehüllt, eine Band sorgt für Stimmung, die Nebelmaschine schnauft und am Beckenrand versorgen sich die 200 V.I.P.s an ihren Tischen mit dem ersten Gang ihres Menüs. Wasserball ist erstmal unwichtig. Hier ist Show gefragt.

Ein Tusch. Und schon stehen die beiden Schiris etwas unlocker, weil mit der ungewohnten Situation überfordert, im Rampenlicht. Vorstellung der Akteure. Zwar werden die Gegner von zwei leicht bekleideten Damen am Beckenrand empfangen, die Spandauer hingegen haben einen echten Auftritt! Fehlt nur noch die Showtreppe. Band und DJ heizen die Menge an und dann kann das Spiel beginnen. Vorher wird natürlich unten an den Tischen der nächste Gang serviert.
Das Spiel ist wenig spektakulär. Spandau beherrscht klar die Lage. Würzburg gibt sich bereits im ersten Viertel auf. Viele Tore sorgen für viel Jubel und Zufriedenheit bei den Zuschauern. Schnelle und pfiffige Treffer bieten ein Schauspiel fürs Auge.
In der Halbzeitpause kann ein erster Absacker in der Lounge im Parterre geschlürft werden. Bei den Leuten unten am Beckenrand gibt es wieder etwas Neues auf den Teller und etwas bedröhnt steht man so auf den Rängen schaut man dem Treiben im Wasser zu.

Nachdem Happening in der Halle geht´s zurück nach unten zum Bier. "Players Party" nennt sich das und hier wird angestoßen und etwas später lassen sich tatsächlich einige Spieler blicken.
Spandau hat es geschafft. Ein Sponsor der das scheinbar Unmögliche möglich gemacht hat: Menschen gehen einfach so zum Wasserball ohne selber dieser Sportart anzugehören. Man merkt, dass sie zufrieden sind. Diese Leute kommen wieder.

Zurück zur Überschrift dieses Beitrags. Was fehlt uns? Was haben die, was wir nicht haben?
Klar: Die Spandauer spielen Weltklasse-Wasserball. Und einen - mit Verlaub - etwas verrückten Sponsor findet man auch nicht an jeder Straßenecke.
Das was in Berlin abläuft beweist, dass Zuschauern aber auch ein wenig mehr als nur das Spiel geboten werden muss. Das beginnt bei einer zeitgemäßen Spielstätte und hört bei diesem seltsamen Catering am Beckenrand noch lange nicht auf.
Es bleibt uns, den Berlinern zu gratulieren, ein bisschen neidisch zu kucken und vielleicht ab und zu mal hinzufahren. Die ein oder andere Idee lässt sich aber vielleicht auch ohne potenten Sponsor aufschnappen und mitnehmen. Denn eigentlich spielen wir alle doch auch ganz gerne mit Zuschauern, oder?

Ergebnis
DWL1:Wasserfreunde Spandau 04 - SV Würzburg 05
19:6 (7:2, 5:1, 3:3, 4:0)