APFELSTRUDEL
IM CENTER!
WO SCHMECKT MIR WASSER BESSER: AUS DEM BECKEN ODER AUS DER KARAFFE? IST ES DAS KASSELER VOM VORABEND, DAS MEINEM MAGEN MALTRÄTIERT ODER IST ES DAS KNIE MEINES VERTEIDIGERS? UND WAS FINDE ICH NUN HÄRTER: DAS RAUSKOMMEN AUS DEM WASSER BIS ZUR BADEHOSE ODER DAS RAUSKOMMEN AUS DEM BETT IN ALLER HERRGOTTSFRÜHE? EIN WASSERBALL-TRAININGSLAGER MACHT AUS DEM SPIEL EINE EXISTENZIELLE GRUNDERFAHRUNG.
Schmeckt irgendwie nach Langnese.Nach drei Stunden Fahrt von der Alster an den Ringköbing Fjord erreichen wir einen kleinen beschaulichen Ort. Dort schlummern Boote einträchtig neben Autos auf Parkplätzen. Dort spricht man Langnese Frisko aus. Dort gibt es weder Saumagen noch Grühnkohl, dafür aber Pölser und Remoulade: Hvide Sande in Dänemark. Die örtliche Jugendherberge wird von von Hanne und ihrem Mann geleitet. Der ist auch der Hausmeister in der Schwimmhalle auf der anderen Straßenseite: Acht Trainingseinheiten werden diese enge Verbindung von essen-schnacken-schlafen und einschwimmen-keulen-ausschwimmen für uns in den nachsten vier Tagen widerspiegeln.


Volvos fahren auf der Straße oder ruhen im Rumpf der Boote.








Die Hamletfrage: Sekt oder Selters?

WER IST EIGENTLICH DER TYP
MIT DEN KURZEN HAAREN?

Ein paar gemeinsame Tage, die uns fit machen sollen für die kommende Wasserballsaison. Es gibt ein Ziel, das alle 19 Spielerinnen und Spieler haben, die auf fünf Autos verteilt gen Norden rollen: Gut abschneiden im Spiel. Zumiondest besser. Und nebenbei endlich einmal den Namen des Mitspielers mit den kurzen Haaren auf die Reihe bekommen. Oder herausfinden, ob die Neue Links- oder Rechtshänderin ist. Oder einfach mal schauen, wie die Anderen das Spiel ohne Ball beherrschen. Kondition, Zusammenspiel und Zusammensein: Das ist Training, das allen SpielerInnen unserer Mannschaften etwas bringt. Im Wasser und an Land. Und vor allem: mit Spaß!

IM A2 WERDEN DIE RÄUME
RICHTIG ENG GEMACHT.

Unsere Mannschaften, das sind die Masters, die Zweite und die Erste Mannschaft. In den ersten beiden Teams spielen Frau, Mann, Mädel und Junge zusammen. In der Ersten Mannschaft, die in der Oberliga Hamburgs spielt, nur die Männer – und die, die es werden wollen. Da nicht nur Weiblein und Männlein spielen zusammen, sondern auch Jung und Alt, reicht das Spektrum vom Satz des Pythagoras bis zur Erstellung der Pisa-Studie, von Eminem bis Eros Ramazotti – ein Konzert, in dem kleine Dissonanzen vorprogrammiert sind. Die lassen sich zwar in einem strukturierten Wasserballspiel zurückstellen.





Wecken, anziehen, umziehen, Becken. Ein simpler Tagesablauf.
Das ist Wasserball wie bei Muttern.Aber nach dem Schlusspfiff, wenn alle wieder am Beckenrand stehen oder sich auf den Sofas lümmeln, droht das gemeinsame Konzert in Kakophonie umzuschlagen. Die Rufe, die man sich beim Spiel noch zuhechelte, prallen dann ohne das puffernde Wasser aufeinander. Da muss eine neue Taktik entworfen werden! Und siehe da: Plötzlich kristallisieren sich zwischen Buffet und Bett Spielmacher- und Trainerqualitäten heraus, werden auf langen Spaziergängen Taktiken für das nächste Treffen entworfen oder werden im Audi A2 die Räume mal richtig eng gemacht. In der Musik nennt man das Crossover.

EINE PRISE SALZ,
EIN PAAR BÄLLE.

Standen beim letzten Hvide-Sande-Aufenthalt noch Ausdauertraining und Grundkenntnisse des Wasserballs im Vordergrund, ging es jetzt um Verfeinertes. Das Rezept war: Mit viel Zeit die vorhandenen Grundstoffe mixen, schütteln, kneten. Alles in Ruhe gehen lassen, dann ein wenig schwimmen – eine Prise Salz, ein paar Bälle. Morgens für einen Leistungstest mal die Temperatur etwas hochfahren, dann langsam wieder herunterdrehen. Gemeinsames Üben, Fragen stellen, Ballübungen allein oder Backen zu zweit. Die Erfahrenen nach Ihrem Rezept ausfragen und bei Hanne herausfinden, welches ihre Erfolgstaktik ist. Und am Ende des langen Tages wird aufgetafelt: Neben ein paar leckeren Spielzügen gibt es dann auch selbstgemachten Apfelstrudel!



Die Einen machen Strandspaziergänge, die anderen kucken in die Röhre.
Mit ´nem Doppelpass zum Apfelstrudel.
Die Hände zum Himmel...

UND SONNTAG ABEND STEHE ICH
WIEDER VOR MEINER HAUSTÜR.

Ob Wasser aus der Karaffe besser schmeckt oder aus dem Becken? Nach drei Stunden Fahrt sind wir wieder dort gelandet, wo man bei einer Frisko-Bestellung nur verständnisloses Kopfschütteln bekommt. Vier Tagen Trainingslager, vielen Stunden im Wasser und einige Erfahrungen später stehe ich am Sonntag Abend erschöpft auf dem Parkplatz vor meiner Haustür und kann die Antwort nicht geben. Ich frage mich jetzt: Wann bekomme ich wieder Wasser in die Finger – wann ist wieder Training, wann treffe ich die Anderen wieder? Wann stehe ich mit meinem Team am Beckenrand, zum Beispiel mit, ... na, ...wie hieß noch der Typ mit den kurzen Haaren gleich ...?





...so lasst uns glücklich sein.
Text, Bilder und Design von Ralf Löwe.