Aus dem Hause von und zu Pückler
oder: Findet ihr nicht auch, dass wir eine total nette Truppe sind?
Wer sich noch an den kürzlich verfassten Jahresbericht aus meiner Feder erinnert, kannte meinen Vorsatz, nach den Sommerferien mein vernachlässigtes soziales Umfeld ein bisschen mehr zu pflegen. Nach drei Wochen Ferien ist es wohl Auslegungssache, was damit gemeint war. Zwei Tage Akklimatisierungszeit im Kiwi und ich baute mein Basislager im Bad auf und so sollte ich das Gelände für die kommenden vier Tage nur noch einmal verlassen.

Fürstin Fanni und Fürst Klaus von und zu Pückler von Langnese empfingen unter dem Pavillon Freunde, Bekannte und vor allem andere Adlige aus dem Fürstentum HTB62, während der Marschall Otto sich mit den Bedürfnissen des niederen Volkes ("Ich möchte Flossen ausleihen", "Habt ihr mal ´ne Zwiebel gegen den Wespenstich?") plagte.
Kühle Getränke und Obstplatten sorgten für kulinarische Freuden und neben diversen Ballkontakten wurden zaghafte Versuche im Wasserballett und Kunstspringen gewagt. Wenn Timbo nicht so feige wäre könnten wir Pokale gewinnen!

Das einzige was wir vergessen hatten waren die Formulare für die Beitrittserklärungen mitzubringen, denn unter den Gästen entdeckten wir so einige Talente, die sich wahlweise durch spielerische Fähigkeiten oder Trinkfestigkeit auszeichneten. Noch Tage später ereilten uns Depeschen aus anderen Fürstentümern, dass unsere Feier bei Hofe ein gelungener Erfolg war.

Donnerstags stellte sich eine Herausforderung der besonderen Art für die Damen der hohen Gesellschaft. Entgegen aller natürlichen Gesetze wurden sie für den nahenden Abend auf die Jagd zur Fleischbeschaffung geschickt. Die Geflügel gebeutelten Herren verlangte es nach einem guten Stück Nackenkarbonade. Im Dschungel der Fegro tobten die zwei Matronen Ulrike und Fanni durch die Regale, diesem Wunsch genüge zu leisten. Doch keine Karbonade wollte ihnen vor die Flinte laufen und so kehrten sie total unterkühlt mit anderen fleischlichen Genüssen auf die Burg zurück. Die Strafe war hart: Während die Herren ihre Enttäuschung über die Erträge in Litern von Jim Beam ertränkten, wurden die beiden fortlaufend an den Pranger gestellt. Die Demütigung war so groß, dass Gräfin Ulrike, nachdem es ihr gestattet wurde für kurze Zeit auszutreten, im Dunkeln von einer großen Gestalt auf zwei Beinen erschreckt wurde. Die Spekulationen, ob sie Jim Beam getroffen habe oder an akuter Dehydrierung litt waren groß, aber die Damen aus der Duschkemate wissen: die Erniedrigung hatte zu Realitätsverlust geführt. Einen Vorteil hat es ja: Das Amt mit der Fleischbeschaffung sind wir wenigstens los.

Es muss schon an Masochismus grenzen, dass Fürstin Ulrike am nächsten Morgen versonnen am Tisch hing und meinte: "Sagt mal, findet ihr nicht auch, dass wir eine total nette Truppe sind?"

Die ausgiebigen Exzesse hatten bei Fürstin Fanni zur Folge, dass sie sich beim morgendlichen Bad fragte, was der Volleyball eigentlich im Wasser verloren habe. Es dauerte einige Zeit bis sie gewahr wurde, dass eine betagte Schwimmerin mit vollem, weißem Haar ihrem Frühsport nachging.

Es kam wie es kommen musste. Die erholsamen Tage unter dem Pavillon neigten sich zum Ende und widerwillig wurden am Samstag Abend im wahrsten Sinne des Wortes die Zelte abgebrochen. Junker Enno übernahm mit seinen Gefreiten das Regiment auf der Brücke. Die musikalische Untermalung trieb uns vom Gelände.

Sonntag verlockte das anhaltende schöne Wetter zu einem letzten Aufbäumen gegen den Alltag - Montag Morgen dann das jähe Erwachen: Wo ist das Becken?